Dr. med. Henning Fischer

 

Zum Thema: Tauchertauglichkeit

In den letzten Jahren hat der Tauchsport eine weite Verbreitung gefunden. Viele Tauchsportfreunde gehen ihrem Hobby mehr oder weniger auch regelmäßig in Deutschland nach, andere tauchen nur im Urlaub. Wieder andere machen nur einen Kurs am Urlaubsort, ohne dann weiter aktiv zu bleiben.

Grundsätzlich ist der Tauchsport nicht ungefährlich, was ja auch die mehreren Dutzend Tauchunfälle jährlich - teils mit tödlichem Ausgang - beweisen. Experten machen in vielen Fällen eine nicht ausreichende Gesundheit der Sportler für die Unfälle verantwortlich. Da stellen sich nun mehrere Fragen:

1) wie gesund muß ein Sporttaucher sein, um das Hobby gefahrlos ausüben zu können?
2) wie umfangreich muß die Untersuchung sein, die dies belegen soll?
3) wer kontrolliert, ob ein Sporttaucher gesund genug fürs Tauchen ist?

Um die letzte Frage zuerst zu beantworten:

In den meisten Ländern ist vorgeschrieben, daß die Tauchbasen sich ein ärztliches Zeugnis über die Tauglichkeit zeigen lassen, bevor jemand dort tauchen darf. Unserer Erfahrung nach ( wir tauchen seit 30 Jahren, über 600 Tauchgänge ) wird diese Vorschrift ganz überwiegend in den Urlaubsländern nicht eingehalten. Der Taucher erhält meist einen Fragebogen, in dem er Auskunft zu möglichen Gesundheitsstörungen geben und selbst bestätigen soll, daß er gesund ist. Damit wollen sich die Tauchbasen absichern. Es bleibt allerdings zweifelhaft, ob ein derartiger Fragebogen bei einem tödlichen Tauchunfall vor der örtlichen Gerichtsbarkeit ausreichen würde. Wahrscheinlich vertrauen viele Tauchbasen darauf, daß die Angehörigen im Katastrophenfall nicht wagen würden, im Ausland zu klagen. Bei Zweifeln an der Gesundheit des Tauchers werden die Tauchwilligen meist an Ärzte am Ort verwiesen, die für teures Geld ( meist um 50 Euro ) in der Regel nur den Blutdruck messen und allenfalls mal in die Ohren schauen. Auch diese Kollegen vertrauen wohl auch darauf, daß niemand im Ausland klagen wird. Das Risiko dieser Umstände trägt natürlich der Taucher allein für seine Gesundheit.

Die Fragen 1) und 2) lassen sich leider nicht so einfach beantworten. Bisher gibt es nämlich keine verbindlichen Richtlinien oder gar Vorschriften für die Tauchertauglichkeit. Ganz offensichtlich werden verschärfende Vorschriften weder von den Vereinen angestrebt ( die dann ja möglicherweise eine ganze Reihe älterer und gut betuchter Taucher verlieren würde ), noch sieht sich der Gesetzgeber veranlaßt, trotz vieler überflüssiger tödlicher Tauchunfälle Klarheit zu schaffen! Und die Tauchindustrie wird schon garnicht interessiert sein, Leute am tauchen zu hindern. Es wundert allerdings, daß ganz offensichtlich mafiöse Verbindungen sogar bis in die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes bestehen, die nicht bereit war, dieses ernste Problem weiter aufzugreifen. Die Veröffentlichung eines entsprechenden Leserbriefes von mir wurde verweigert. Das ganze Debakel kann sich der interessierte Leser hier anschauen.

Immerhin erschien im Ärzteblatt ein Aufsatz mit der Meinung eines Experten zum Umfang der Tauglichkeits- Untersuchung. Es wäre zu wünschen, daß sich möglichst alle Kolleginnen und Kollegen an diese Vorgabe halten. Denn auch in Deutschland gibt es Ärzte, die "nach Aktenlage" oder nach Mini-Untersuchungen Tauchtauglichkeit für ein Trinkgeld bestätigen. Daneben gibt es auch Ärzt/innen, die umfangreichere Untersuchungen machen, und diese dann auf Kassenkosten abrechnen: das ist eindeutig Abrechnungsbetrug, für den sich Staatsanwaltschaften und Kassenärztliche Vereinigungen brennend  interessieren.

Erstaunlicherweise geben viele Tauchsportfreunde tausende von DM für ihre Ausrüstung und für Urlaub und Tauchgänge aus, aber die Tauglichkeitsuntersuchung soll natürlich kostenlos sein!

Ich habe den genannten Artikel aus dem Ärzteblatt  hier als PDF-File mit auf meine Homepage genommen.

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